Hohkeppel – Immekeppel

Die Kirche St. Laurentius in.Hohkeppel – eine schlichte Schönheit

Anne Scherer

Nähert man sich auf der Heidenstraße dem Ort Hohkeppel, kann man bei Wilhelmshöhe noch den tief eingeschnit­tenen Hohlweg der uralten Fernverbin­dung in Form einer hohen Böschung erahnen.

Kurz vorm Ortseingang befindet sich an der Hohlweg-Böschung der Heidenstraße dieser Wegestein mit Bronzeplatte. Die Inschrift lautet: „Heidenstraße, jahrhundertealter Heer- und Handelsweg von Leipzig nach Köln. Schon im Mittelalter auch Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien.

Hohkeppel, erstmals 958 erwähnt. Mittelalterlicher „Rittersitz Burghof“. Bis 1975 selbständige Gemeinde.

Kirche St. Laurentius, ehem. Fuhrmannsherberge „Weissen Pferdchen“‘ (1612/1688), heutiger ‚Burghof‘ und weitere Fach­werkhäuser aus dem 18./19. Jahrhundert bilden den historischen Ortskern, der Anziehungspunkt für Pilger, Wanderer und Wallfahrer ist.“

Die Ortsmitte Hohkeppels markiert schon von Weitem die Kirche St. Laurentius, deren äußere Gestaltung durch die zentrierte Anordnung der wandhohen Fenster zu einer Dreiergruppe aufmerken lässt, zumal sie zusätzlich durch dreifach gestufte Archivolten – bandartig abgesetzte Stirnbögen – überwölbt und gerahmt werden. Sie erinnern an römische Baukunst und mittelalterliche Portalgestaltungen.

Im Innern der Kirchenhalle ist man gleich von der strahlenden Lichtfülle der großen Rundbogenfenster und der Schlicht­heit des spätklassizistischen Baus von 1835-37 eingefangen. Die einladende, lichtdurchflutete Kirchenhalle, die ein Beispiel für eine gelungene Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands ist, bricht mit den bis dahin herrschenden Baustilen und setzt auf die urchristliche Lichtmetaphorik. Baumeister Brunner nutzte bewusst das Licht als ältestes Symbol der Göttlichkeit, um die strahlende und fröhliche Herrlichkeit des himmlischen Jerusalems abzubilden.

Der Blick geht in den Chorbereich mit dem dreiteiligen neugotischen Hochaltar aus Eichenholz von 1907, der links die Geburt Jesu in Betlehem und rechts seinen Tod auf Golgatha darstellt.

Oberhalb des Tabernakels symbolisiert ein Pelikan, der seine Jungen mit seinem eigenen Fleisch und Blut nährt, den sich opfernden Christus. Der Opfergedanke wiederholt sich im Altartisch mit den Sandsteinreliefs: in der Mitte das Opferlamm, daneben das Opfer des Abraham und des Melchisedek. Somit drückt dieser Altar die zentrale Botschaft des Christentums aus: Jesus kam zu uns in die Welt und opferte sich für uns, um uns zu erlösen.

Eine Kostbarkeit aus der 1. Hälfte des 15. Jh. ist das 1,30 m hohe Holzkreuz mit Korpus nahe der Marienfigur. Das ehemalige Altarkreuz, das stark beschädigt auf dem Speicher gefunden wurde, ließ man 1937 restaurieren und legte die ursprüngliche Bemalung frei. Der Betrachter wird von der schlichten, aber den­noch ausdrucksstarken Darstellung des Gekreuzigten beeindruckt sein — Christus am Kreuz als Erlöser der Welt.

Wann die Kirche dem hl. Laurentius ge­weiht wurde, ist nicht bekannt. Die Geschichte erzählt, dass Papst Sixtus Il. im Jahr 257 Laurentius als römischen Diakon aufnahm und ihn zum Erzdiakon ernannte. Der Papst übertrug ihm die Aufsicht über die Kirchenschätze. Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Valerian wollte dieser sich auch an den Kirchenschätzen bereichern. Der Papst beauftragte Laurentius, die Kirchenschätze unter den Armen zu vertei­len. Als der Kaiser die Schätze verlangte, diese aber nicht mehr vorfand, verwies Laurentius auf die gläubigen Menschen als die „wahren“ Schätze der Kirche. Daraufhin wurde der Papst getötet. Laurentius soll am 10. 8. 258 auf einem glühenden Rost den Märtyrertod erlitten haben. Wenn man weiß, dass Rost und Siegespalme seine Attribute sind, entdeckt man in dieser Kirche drei Laurentiusfiguren: rechts außen am Hochaltar, vorne rechts als Großfigur auf einem Altartisch und als Reliquienbüste am Treppenaufgang unter der Orgel. Der Heilige wird angerufen bei Feuer und Brandwunden.

Das Laurentius-Patrozinium weist auf ein hohes Alter der Kirche hin. Ab dem 10. Jh. sind archäologisch und urkundlich drei Kirchbauten belegt. Im Jahr 958 sollen einer Urkunde aus der 2. Hälfte des 12. Jh. nach die Grundherren von Hohkeppel, die Ritterbrüder Walfried und Humfried, ihre Eigenkirche dem Severin-Stift in Köln geschenkt haben. Dieser erste Bau wird eine kleine Holzkapelle gewesen sein, die aufgrund der Zunahme der Bevölkerung durch eine größere Steinkirche im 12. Jh. ersetzt wurde. Die mittelalterliche dreischiffige Pfeilerbasilika musste 1835 wegen großer Schäden abgerissen werden. Nur der Turm blieb erhalten und wurde einer Reparatur unterzogen. Auf den Grundmauern der romanischen Kirche errichtete man einen spätklassizistischen Saalbau, den wir heute noch in seiner klaren Gliederung und schlichten Schönheit bewundern können (Scherer, Kirchenführer). Man sollte in einer Bank Platz nehmen und sich einen Augenblick der Stille und des Gebetes gönnen.


„Weissen Pferdchen“ – Eine Herberge für ,Fuhrleute und Pilger

Anne Scherer

Was die Raststätten heute an den Autobahnen sind, waren damals die Fuhrmannsherbergen an den Fernhandelsstraßen wie z. B. dem Hellweg, der Brüderstraße und der Heidenstraße. An dieser Fernverbindung lagen u. a. die Fuhrmannsherbergen Padberg (Küstelberg), Nierhof (Attendorn), Schert und Schnüffel (Meinerzhagen) sowie Weissen Pferdchen (Hohkeppel).

Im über tausendjährigen Hohkeppel mit seinem historischen Ortskern und den alten Fachwerkhäusern aus dem 18./19. Jh. steht die ehemalige Herberge „Weissen Pferdchen“ gegenüber der Kirche. Es ist ein reetgedecktes Doppelhaus aus dem 17. Jh., das auf der Heidenstraße ein besonderer Anziehungspunkt war.

Eine Balkeninschrift an der Laurentiusstraße besagt: DIES HAVS STEHET IN GOTTES HAND: IM WEISSEN PFERT IST ES GENANT: ANNO 1612. Das Gebäude von 1612 erhielt 1688 laut Türbalken einen Anbau.

In diesem Haus konnten Reisende, Händler und Pilger Rast machen, sich mit einer warmen Mahlzeit stärken, mit Wasser erfrischen, im Schankraum Proviant für die Reise erwerben, ihre Tiere versorgen und übernachten. Heute noch sind im Eingangsbereich der 10 m tiefe Brunnenschacht, die rauchgeschwärzte Bruchsteinwand der Feuerstelle und der Schankraum zu sehen. Amüsiert wird der Besucher die ehemalige Toilettenanlage betrachten, wo man auf dem „Doppelplumpsklo“ seinem Gegenüber von seinen Erlebnissen erzählte. Ein Vorgängerbau, das Haus „Zum Pütz“ (Pütz = Brunnen), ist an dieser Stelle bereits gegen Ende des 15. Jh. als Wirtshaus erwähnt und unterstreicht die Bedeutung der Heidenstraße als Fernhandelsstrecke und Pilgerweg (Scherer, Häuser).

Als durch Erschließung der Täler die Preußische Staatsstraße von Köln nach Olpe in den Jahren 1823 bis 1836 entstand, wurde das Reisen leichter, und die Herberge auf der Höhe verlor ihre Bedeutung. Im Jahr 1825 ging das Haus durch eine private Stiftung in Kirchenbesitz über. Nach einer umfangreichen Restaurierung in den Jahren 1961-63 durch den Landeskonservator Rheinland diente das Haus „Weissen Pferdchen“ als Pfarrheim der katholischen Pfarrgemeinde St. Laurentius und wurde für Veranstaltungen der Ortsvereine und als Jugendheim genutzt. Aufgrund der Sparmaßnahmen des Erzbistums Köln gelangte das Ge­bäude im Jahr 2008 durch einen Tausch an die Zivilgemeinde Lindlar. Der Heimatverein Hohkeppel kümmert sich als Mieter um die Nutzung des Hauses, in dem auch ein Trauzimmer eingerichtet ist. Hoffentlich bleibt das stattliche Fachwerkhaus mit seiner historischen Besonderheit den Menschen weiterhin erhalten. Demnächst wird das „Weissen Pferdchen“ auch wieder als Pilgerunterkunft angeboten.

Gegenüber der alten Herberge lag im Bereich der heutigen Hofanlage Burghof an den Kirchhof angrenzend ein Rittersitz mit einem Bergfried, der seit Mitte des 15. Jh. urkundlich belegt ist. Unmittelbar an der Heidenstraße gebaut, hatte er auch die Aufgabe der Sicherung des Fernhandelsweges und bot der Bevölkerung Schutz.


Fußfälle als Bittstationen -Bekenntnisse des Glaubens

Anne Scherer

Die Heidenstraße verläuft weiter über die heutige Laurentiusstraße Richtung Heiligenhaus. Von der Ortsmitte aus geht es vorbei an den 1791 geschaffenen sieben Fußfällen aus Lindlarer Sandstein, wobei die letzte Station mitten im Ort liegt und die erste außerhalb.

Alle Fußfälle sind in gleicher Weise aufgebaut: Den hochrechteckigen Sockel trennt ein dreistufiges Gesims mit vorkragender Konsole — eine Ablage für Leuchte und Blumen – vom oberen Teil mit Bildtafel. Sie zeigt in einem rundbogigen Feld Flachreliefs mit der Passionsszene und der zugehörigen Bibelstelle.

Textfeld:  Auf dem Sockel ist ein weiterer Spruch passend zur Darstellung eingemeißelt. Den oberen Abschluss eines Fußfalls bildet ein halbrunder Segmentgiebel mit Karniesgesims — einem profilierten Rahmen als Schmuckelement —, bekrönt mit Steinkugel und Metallkreuz.

Es sind Bittstationen, die Anna Catharina Klein, Witwe des Johann Gerhard Hamm, nach dem Tod ihres Mannes stiftete. Die trauernde Witwe hat als Stifterin dafür gesorgt, dass einerseits die inhaltliche Seite sorgfältig erarbeitet und andererseits die künstlerische Gestaltung vom Feinsten ist. Die Technik des Flachreliefs mindert bewusst die Detailfülle, um das Wesentliche der Botschaft der Kreuzigung edel, verinnerlicht und nicht dramatisierend in den Blick zu rücken.

Entsprechend alter Tradition „ging“ man die Fußfälle in der Karwoche. Ebenso erflehte man Hilfe bei Not und Leid, erbat Genesung bei schwerer Erkrankung eines Familienmitglieds oder betete um eine gute Sterbestunde für einen Angehörigen. Man kniete im Gebet nieder, fiel also auf die Füße, wovon der Name Fußfall herrühren soll, und betete den Ro­senkranz. Die Bildplatten zeigen sieben Stationen des Kreuzwegs: Jesus im Garten Gethsemane, Judaskuss, Geißelung, Dornenkrönung, Jesus wird dem Volk vorgeführt, Jesus trägt sein schweres Kreuz, Kreuzigung. Beim Anblick des Leidens Jesu konnte – und kann auch heute noch – der Betende Trost finden (Scherer, Kreuze).


Abschnittswallanlage bei Kepplerburg Abstecher ca. 300m von der Heidenstrasse entfernt

Anne Scherer

Etwa 300 m hinter dem Ortsausgang gelangt man rechts auf einen Abstecher zu einer ehemaligen Burganlage, die „auf einem in das Lennefetal reichenden 240 m hohen Bergsporn“ lag. „Heute sind nur noch die Reste [dieser Anlage] von 110 x 80 m Innenfläche zu erkennen. Sie wird nach Südwesten durch einen Wall mit vorgelagertem Graben gesichert. Die Wallbreite beträgt heute 5 m, die Breite des Grabens 4 m. Es handelte sich wahrscheinlich um eine Holz-Erde-Mauer mit Fachwerkinnenbebauung aus dem 10./11. Jh.“ (Rheinisches Amt). Auch der Name Kepplerburg und die Flurbezeichnung „Am Burgberg“ weisen auf die Burg hin.

Nach obiger Beschreibung könnte sich bei Kepplerburg eine mittelalterliche Fliehburg mit einer Abschnittsbefestigung befunden haben. Im Falle einer Gefahr brachten sich die Menschen der Umgebung mit ihrem Vieh im Innern der Anlage in Sicherheit.

Vor einigen Jahren fand hier ein Hobby-Forscher eine römische Münze (Mitte 2. Jh.) mit den Köpfen des Kaisers Antoninus Pius und seines Nachfolgers Marcus Aurelius sowie eine römische Fibel, eine Gewandschließe, aus der 2. Hälfte des 1. Jh. (Bonner Jahrbücher). Diese Stücke aus der römischen Kaiserzeit geben dem Platz zweifellos einen neuen Stellenwert. Ob es sich um eine ältere Anlage zur Sicherung der in der Nähe vorbeiführenden Heidenstraße handelt, kann jedoch nur mit einer archäologischen Untersuchung geklärt werden.


Weiterer Verlauf der Heidenstraße von Hohkeppel nach Immekeppel

Anne Scherer

Die Heidenstraße, die in unserer Gegend auf Karten des 18. Jh. auch „Kölner Landstraße“ genannt wird, führt weiter an Herrenhöhe (Pachthof von Schloss Ehreshoven), Hufe, Meegen, Hufenstuhl (958 erwähnt) und Böke vorbei. Von der Gaststätte „Hohkeppeler Hof“ an verläuft die Heidenstraße gemeinsam mit der von Wipperfürth durch das „Siegburger Tor“ über Lindlar, Kemmerich, Waldbruch, Vellingen nach Hohkeppel kommenden alten „Siegburger Straße“. Bei Leffelsend trennen sich diese beiden Strecken wieder. Die Heidenstraße führt weiter über Hurden/Busch auf Immekeppel zu. Der Abstieg zur Immekeppeler Furt beträgt auf nur kurzer Distanz 100 Höhenmeter.

Eine jüngere Wegeführung geht über Brodhausen und Haus Thal nach Immekeppel.



Die Texte sind, mit freundlicher Genehmung des Mitautors H.L. Scherer, aus dem Buch: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstrasse von Marienheide nach Köln“ entnommen.