Fensterblicke auf Rochus- und Antoniuskapelle
Kunibert Broich
Im Ausschnitt der Wälder zeigt sich die Rochuskapelle in Kemmerich (s. Standort K, Karte 4, S. 70), 1668 von Peter Lop gestiftet, in langgestreckter Form auf dem gegenüberliegenden Höhenrücken. Dem sinnfälligen Äußeren entspricht ein warmes, einladendes Innere mit der Statue des hl. Rochus in der Gewandung eines mittelalterlichen Pilgers. Die Kapelle ist sehr beliebt bei den Einheimischen, nicht zuletzt wegen des im 14-täglichen Wechsels mit der Antoniuskapelle in Waldbruch stattfindenden Gottesdienstes.
Auf dem Grund und Boden derer von Waldenburg in Unterheiligenhoven wurde die Antonius-Kapelle in Waldbruch (s. Standort • W, Karte 5, S. 83) errichtet. Ihr heutiges Aussehen hat sie seit der Erweiterung von 1913-1917 durch Heinrich Renard, der zusammen mit seinem Vater um 1900 den Heinzelmännchen Brunnen in der Kölner Altstadt schuf. Das Konzept Renards machte diese schlichte Kapelle auf dem Höhenkamm zu einem inneren und äußeren Schmuckstück, ein Ort der Wahl für manche Hochzeit und die besonders beliebte Hubertusmesse Anfang November.
Von Holz aus ist die doppeltürmige Wallfahrtskirche Marialinden an der Brüderstraße zu sehen (s. Standort ® M, Karte 5, S. 83).

Der Schlagbaum bei Hohbusch
Anne Scherer
Kennzeichen eines Fernweges waren auch Schlagbäume wie der bei Hohbusch etwa einen Kilometer vor Hohkeppel, der in einer Jagdkarte des Rittersitzes Vilkerath aus dem Jahr 1745 nachgewiesen ist. In Verbindung mit diesem Schlagbaum befand sich eine Wall-Graben-Anlage, verstärkt mit undurchdringlichen Hecken und Strauchwerk.
An den meisten Schlagbäumen befanden sich verpachtete Zollstätten, deren angestellte Zöllner den Schlagbaum bedienten und den Zoll je nach Art, Wert und Gewicht der Ware für die Kellnerei (Finanzverwaltung) des Herzogtums Berg einnahmen. Weil viele Fuhrleute, Reiter und Viehtreiber versuchten, diese Stellen an den vorgeschriebenen Straßen zu umgehen und die Zollabgabe einzusparen, verdichtete sich im Laufe der Zeit das Netz der Zollstellen.
Die amtliche Aufstellung für das Jahr 1804 nennt 125 bergische Zollhebestellen. Hohbusch wird hier nicht genannt, und Einnahmen aus einer Zollstelle sind in den Kellnereirechnungen des Amtes Steinbach auch nicht verzeichnet. Es handelte sich in Hohbusch nur um eine einfache Höhensperre an der Heidenstraße. Solche Sperren standen im Dienste des Landesschutzes und übten eine Schutz- und Kontrollfunktion aus. In friedlichen Zeiten dürften die Schlagbäume meist offen gestanden haben. Wenn aber Fehden oder kriegerische Verwicklungen die Sicherheit der Gegend bedrohten, wurden sie regelmäßig am Abend geschlossen und am Morgen wieder geöffnet. Nach Ausbruch der Feindseligkeiten blieben die Schlagbäume geschlossen und wurden von den Landschützen bewacht (Scherer, Achera).
Landwehranlagen und Straßensperren vermochten jedoch im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nur kleinere umherziehende Söldnertrupps aufzuhalten, als das Bergische Land u. a. durch schwedische, kaiserliche und brandenburgische Truppen heimgesucht wurde. Die Einheimischen litten unter Raub, Mord und Brand. Durchmärsche, Einquartierungen und finanzielle Belastungen (Kontributionen) brachten die Bevölkerung in große Not. Selbst die Kirchenschätze blieben nicht verschont, und Pastor Leurwald von Hohkeppel wurde dreimal gefangengenommen und flüchtete 1630 vor den brandenburgischen Truppen. Im Jahr 1632 hat sich ein schwedisches Regiment in verschiedenen Kirchspielen des Amtes Steinbach einquartiert und Geld, Lebensmittel sowie Futter und Stroh für die Pferde eingetrieben. Im Oktober haben die Truppen einmal in Hohkeppel übernachtet.
Auch nach dem Westfälischen Frieden 1648 blieben die Zeiten durch den Holländischen und Pfälzischen Krieg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unruhig, und Drangsalierungen der Bevölkerung nahmen kein Ende. Der Frieden von 1697 blieb nicht von langer Dauer, und französische Truppen bedrängten im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) das Bergische. Herzog Johann Wilhelm Il. (Regierungszeit 1690-1716) – auch als Jan Wellem bekannt – ließ die teilweise verfallenen Landwehren in Verteidigungszustand setzen. Die Landschützen mussten jedoch der Übermacht der Franzosen weichen und konnten trotz Gegenwehr Mord und Plünderungen nicht verhindern.
Geht man in Hohbusch an der Bushaltestelle in den Wald, kann man rechts des Weges noch Reste der Wall-Graben-Anlage erkennen, die vor hundert Jahren noch wesentlich ausgeprägter war und teilweise eine Höhe von 3-4 m erreichte. Unterhalb der Anlage setzt sich der Graben durch einen natürlichen Siefen fort. Einen tiefen, sich weit hinab ziehenden Siefengraben findet man auch schräg gegenüber der Häusergruppe auf der anderen Seite der Höhenstraße. Die Gräben und Wälle sollten ein Verlassen der Heidenstraße verhindern. Bereits um das Jahr 1600 wird der„keppeler grindel“ erwähnt, auch Grengel genannt, was so viel wie Balken, Riegel und Schlagbaum bedeutet. Das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Overath, bestätigte die Anlage durch eine Grabung im Jahr 2004.
Die Texte sind, mit freundlicher Genehmung des Mitautors H.L. Scherer, aus dem Buch: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstrasse von Marienheide nach Köln“ entnommen.
