Wanderrouten

Hier stellen wir Ihnen die Wege, Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten der Heidenstraße vor.

Aber was ist denn die Heidenstrasse?

Hans Ludwig Knau / Herbert Schmoranzer

„Von den Fernstraßen, die das Sauerland querten, war die unter dem Namen„Heidenstraße“ bekannte Köln-Kassel-Leipziger Straße zweifellos die wichtigste“ (A. K. Hömberg, 135). Sie führte von Köln über Bensberg, Marienheide, Meinerzhagen, Attendorn, Schmallenberg, Win­terberg, Korbach, Kassel (s. Karte Güssefeld, S. 22 / Seibertz, Die Straßen, 102) und Heiligenstadt nach Leipzig. Die Bezeichnung Heidenstraße taucht jedoch in keiner uns zugänglichen historischen Quelle auf. Auch Hömberg, der sich immer wieder mit der Heidenstraße befasste, lässt sich nicht auf eine Deutung des Namens ein. Wir sind daher auf Vermutungen angewiesen. Wahrscheinlich wird damit die Missionierung der heidnischen Sachsen durch Karl den Großen angesprochen. Die ersten Kirchen- und Klostergründungen entlang dieser Straße verstärken diese Annahme. Genannt seien Lindlar, Attendorn, Wormbach, Medebach und Korbach als Urpfarreien. Im Hochmittelalter wurde das Seelsorgenetz weiter verdichtet, z. B. durch die Jakobuskirche in Elspe und das Kloster Grafschaft (Schmallenberg).

Auch Taufsteine sind wichtige Zeugen für den o. g. Erklärungsversuch. Sie weisen die Gotteshäuser, in denen sie stehen, als frühe Taufkirchen aus. An der Heidenstraße gibt es diese mittelalterlichen Taufsteine z. B. in Korbach, Schmallenberg/ Wormbach, Attendorn, Meinerzhagen, Lindlar und Bensberg.

Alte Karten enthalten den Namen Heidenstraße ebenfalls nicht. Jordan von der Waye bezeichnet sie 1610 z. B. als „Landstras von Marienheyde nach Cöln“, Max Pronner 1754 als „Alte Landstraße von Cöln nach Cassel-Leipzig“ (s. Schmoranzer/Knau/Loch, Wandern, Bd. 2, 16). Zeitgenössische Benennungen, häufig mit lokalen Bezügen, sind u..a..,,Alte Landstraße“ z. B. in Heiligenstadt und Frielingsdorf sowie „Alter Weg“ z. B. in Schmallenberg/ Felbecke und Meinerzhagen. Nalbert. Seibertz spricht z. B. von „der alten Straße über den Astenberg“ bei Winterberg (Seibertz, Landes- und Rechtsgeschichte, Erster Band, Zweiter Theil, 79).

Wichtige historische Bezüge zur Heidenstraße ergeben sich beispielsweise durch den Fund „einer gleicharmigen Fibel (Gewandschließe, Anm. der Verf.) des letzten Viertels des 8. / frühen 9. Jahrhunderts“ auf der Winterberger Hochfläche. Sie gilt als „Beleg für die bereits zu diesem Zeitpunkt bestehende Funktion der West-Ost-verlaufenden Heidenstraße als Fernweg“ (Bergmann, Die Wüstungen, 493/494). Im Jahre 1000 zog Kaiser Otto III. von Gnesen über Heiligenstadt nach Mainz und Worms (Uhlirz, 330), wobei ein Teilstück der Heidenstraße als schnelle Verbindung diente. Am 18. Mai 1000 unterzeichnete Erzbischof Heribert von Köln, Vertrauter Ottos III., in Elspe (Lennestadt) an der Heidenstraße im Auftrag des Kaisers eine Urkunde, die dem Damenstift im nahen Oedingen alte Rechte bestätigte (Wolf, Urkunde, 72-74). Und im Jahre 1349 war Kaiser Karl IV. auf seiner Brautreise von seiner böhmischen Residenz Prag nach dem Westen des Reiches“ unterwegs und traf „am 22. Januar 1349 mit seinem Gefolge in Korbach“ an der Heidenstraße ein (Langenberger).

Immer wieder findet man Verlaufsvarianten der alten Heidenstraße, so zwischen Korbach und Kassel, Lennestadt/Grevenbrück und Attendorn, Lindlar/Klause und Overath/Immekeppel. Gelegentlich wird von Marienheide auch der Weg über Wipperfürth nach Köln genannt. Unsere Erkenntnisse gehen jedoch dahin, dass der Weg über Wipperfürth, d. h., auf dem Herweg, erst seit 1631 erfolgte, als die Grafschaft Gimborn-Neustadt reichsunmittelbar wurde. Dazu gehörte auch die Zollerhebung, der man ausweichen wollte, wodurch sich der Umweg über Wipperfürth nach Köln lohnte.

Wenn man von einer mittelalterlichen „Straße“ spricht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass es sich in unserem Sinne immer nur um Naturwege „Feldwege“, d. h. unbefestigte Wege, gehandelt hat ohne künstlichen Fahrbahnoberbau“ (Steinkrüger, Das Ziel, 63-69), ohne künstliche Drainage. War eine Strecke unpassierbar geworden, bahnte man daneben die nächste, bis diese ebenfalls unbefahrbar geworden war und eine weitere Spur eingeschlagen werden musste. So bildeten sich insbesondere bei Steigungen im Laufe der Zeit regelrechte Wegebündel, die 10 und mehr Fahrspuren umfassen konnten. Gebirgige Landschaften wie z. B. das Sauerland und das Bergische Land querte man gewöhnlich nicht über die Kuppen, sondern von Bergsattel zu Bergsattel. Generell vermied man, parallel zum Berghang zu fahren, weil dann eine Fahrrille tiefer lag als die andere, so dass der Karren umkippen konnte. Manchmal ließ es sich nicht vermeiden, direkt über die Kuppen der Berge zu fahren, so dass man Vorspanndienste in Anspruch nehmen musste, so z. B. von Schmallenberg/Westfeld nach Altastenberg oder von der Sülzfurt in Immekeppel nach Löhe.

Talfahrten waren für den Fuhrmann gefährlich, weil die Räder mit Eisenstangen oder durch Anhängen schwerer Gewichte nur notdürftig gebremst werden konnten. Begegnete man sich obendrein noch in der „Röhre“ eines Hohlweges, dann steckte man fest, auch konnte der Karren nicht mehr gewendet werden. Er musste buchstäblich aus dem Dreck gezogen werden. Fuhrmann zu sein war ein gefährlicher Beruf. Das Unterwegssein war prinzipiell kein Vergnügen, sondern leidvolle Strapaze, weil man gewöhnlich zu Fuß unterwegs war.

Die Wegeverläufe der Heidenstraße im Raum Lindlar/Klause bis Frankenforst sind schwer zu durchschauen. Herbert Nicke hat in seinem Beitrag bzgl. des historischen Wegenetzes (S. 102) eine logisch strukturierte Differenzierung versucht.Ihm folgend wurden als historische Routen der Heidenstraße sowohl die„Kölner“ Straße von Klause über Lindlar und den Brombacher Berg als auch der Weg über Eichholz, Burg, Hohbusch und Hohkeppel zu den verschiedenen Sülzfurten bei Immekeppel in unser Buch aufgenommen. Als Pilgerroute bietet sich der Weg über Hohkeppel an, weil er überwiegend naturbelassen und zumindest bis Hohkeppel verkehrsarm ist.

Der Verlauf der Heidenstraße wird auch durch Jakobuskirchen und -kapellen angezeigt, wie z. B. in Uder/Eichsfeld, Winterberg, Schmallenberg/Winkhausen, Elspe und ursprünglich auch in Immekeppel, bevor Lucia Pfarrpatronin wurde. Der Begriff „Heidenstraße“ bezieht sich in unserem Buch auf die Straße nach Köln und zeitlich auf das Mittelalter und die Neuzeit, als neben Heeren, Fuhr- und Handelsleuten auch Pilger die Straßen belebten.

Seit dem 11. Jahrhundert wies die Muschel ihren Träger als Jakobuspilger aus. Sie ist im 13./14. Jahrhundert an der Heidenstraße archäologisch auf der Peperburg oberhalb Grevenbrücks (Lennestadt), in der Martinus-Kirche, Dünschede (Attendorn), aber auch im Sauerländer Dom St. Johannes Baptist in Attendorn nachgewiesen. Ins 12. Jahrhundert versetzt uns die Ge­schichte eines Pilgers aus unserer Region, die Levold von Nordhof vom Grafen Eberhard, dem Bruder Adolfs Il. von Berg, erzählt, der „zu nächtlicher Stunde heimlich in einfacher Kleidung aus der Burg Altena entwich mit dem Vorsatz, Buße zu tun und sich dauernde Verbannung aufzuerlegen“ (Flebbe, 65). Ob Eberhard nun als Graf von Altena oder von Berg sein Vorhaben verwirklichte, das ihn nach Rom, Santiago de Compostela und St. Gilles in Südfrankreich führte, kann hier nicht erörtert werden, die Geschichte ist jedoch ein lebendiges Beispiel der Wallfahrt im Gedankengut des 12. Jahrhunderts.

Die Texte sind, mit freundlicher Genehmung des Mitautors H.L. Scherer, aus dem Buch: „Wandern und Pilgern auf der Heidenstrasse von Marienheide nach Köln“ entnommen.